Tencel™ Lyocell Boxershorts: Warum das Material die nachhaltigere Alternative zu Baumwolle ist

Tencel™ Lyocell Boxershorts: Warum das Material die nachhaltigere Alternative zu Baumwolle ist

Tencel und Lyocell sind zwei Namen für dasselbe Material: Eine Faser aus Holzzellstoff, die in einem geschlossenen Lösungsmittelkreislauf zu Garn versponnen wird. Tencel ist der Markenname, unter dem die österreichische Lenzing AG ihre Lyocellfaser vertreibt. Für Boxershorts hat das Material in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, weil es gleichzeitig zwei Anforderungen erfüllt. Zum einen hat es eine bessere Ökobilanz als konventionelle Baumwolle und und zum anderen ein besseres Feuchtigkeitsmanagement, das für ein eng am Körper getragenes Kleidungsstück direkt spürbar ist.

Dieser Artikel ordnet ein, was zu Wasserverbrauch, CO2-Bilanz und Tragekomfort von Tencel Unterwäsche tatsächlich untersucht wurde.

Wie Lyocell hergestellt wird

Lyocell entsteht aus Holzzellstoff, meist aus Eukalyptus-, Birken- oder Buchenholz. Der Zellstoff wird in N-Methylmorpholin-N-oxid (NMMO) gelöst, einem organischen Lösungsmittel, und anschließend zu Fasern versponnen. Es gibt dabei einen entscheidenden Unterschied zum bereits älteren Verfahren bei Viskose: Bei Lyocell wird das Lösungsmittel in einem geschlossenen Kreislauf zurückgewonnen und wiederverwendet, statt als Abwasser das System zu verlassen. Dieser geschlossene Kreislauf ist auch der Grund, warum Lyocell in Ökobilanzstudien regelmäßig besser abschneidet als Viskose, die mit Schwefelverbindungen und Zinksulfat arbeitet.

Eine Studie zur Ökobilanz von Lyocell- und Viskosefasern aus chinesischer Produktion fand, dass die Ökotoxizität von Viskosefasern eine Größenordnung über der von Lyocellfasern liegt, hauptsächlich wegen des Einsatzes von Zinksulfat im Viskoseprozess (Guo, X. et al.,2021). Auch beim Treibhauspotenzial (Global Warming Potential) lag Viskose in dieser Untersuchung etwa doppelt so hoch wie Lyocell (Guo, X. et al.,2021).

Ökobilanz im Vergleich zu Baumwolle: Was die Forschung zeigt

Die bislang umfassendste unabhängige Ökobilanzstudie zu Cellulosefasern stammt von Shen, Worrell und Patel, veröffentlicht 2010 im Fachjournal Resources, Conservation and Recycling. Die Autoren verglichen Tencel, Modal und Viskose aus Lenzing-Produktion mit Baumwolle, PET und PP über die gesamte Herstellungskette bis zum Werkstor (cradle-to-gate) (Shen, L., Worrell, E., Patel, M. K., 2010). Das Ergebnis: Tencel, Modal und österreichische Viskose wiesen von allen untersuchten Fasern die geringste Gesamtumweltbelastung auf. Baumwolle schnitt dagegen am schlechtesten ab, wegen hoher Ökotoxizität, Eutrophierung, Wasserverbrauch und Flächenbedarf (Shen, L., Worrell, E., Patel, M. K., 2010).

Eine neuere vergleichende Ökobilanz von T-Shirt-Produktion aus Viskose, Lyocell, Baumwolle und Polyester (2026, Sustainability, MDPI) bestätigt dieses Bild für den direkten Vergleich mit Viskose: Lyocell reduziert die Süßwasser-Ökotoxizität gegenüber Viskose um 35 Prozent und die humantoxikologische Belastung (nicht-krebserregend) um 62 Prozent, was die Studie auf die Rückgewinnung des Lösungsmittels im geschlossenen Kreislauf zurückführt (A Comparative Life Cycle Assessment of T-Shirt Production Using Viscose, Lyocell, Cotton, and Polyester, 2026).

Ein Vorbehalt gehört zu jeder seriösen Einordnung dazu: Die Ökobilanz hängt stark davon ab, woher das Holz stammt, wie die Fasern gefärbt und weiterverarbeitet werden und welcher Energiemix bei der Lösungsmittelrückgewinnung verwendet wird. Die chinesische Vergleichsstudie zu Lyocell und Viskose weist ausdrücklich darauf hin, dass Strom der größte Einzelfaktor für den Primärenergiebedarf, das Treibhauspotenzial und weitere Wirkungskategorien im Lyocellprozess ist und dass eine sauberere Stromversorgung die Bilanz weiter verbessern würde (Guo, X. et al.,2021). Lenzing selbst gibt für sein Tencel Lyocell mit EU-Ecolabel-Zertifizierung mindestens 50 Prozent geringere CO2-Emissionen und einen entsprechend geringeren Wasserverbrauch gegenüber generischem Lyocell an; das ist eine Herstellerangabe und keine unabhängige Studie, aber sie zeigt, dass innerhalb derselben Fasergattung erhebliche Unterschiede je nach Produzent bestehen.

Warum sich Lyocell beim Tragen anders anfühlt als Baumwolle

Für Boxershorts zählt neben der Herstellung vor allem, wie sich das Material am Körper verhält – speziell im Umgang mit Feuchtigkeit. Hier liegen textiltechnische Messdaten vor, nicht nur Herstellerangaben.

Okubayashi, Griesser und Bechtold untersuchten 2004 in Carbohydrate Polymers die Kinetik der Feuchtigkeitsauf- und -abgabe von Lyocellfasern und zeigten, dass die Poren- und Kristallstruktur der Faser die Geschwindigkeit bestimmt, mit der Wasser aufgenommen und wieder abgegeben wird (Okubayashi, S., Griesser, U. J., Bechtold, T., 2004). Diese offene, fibrilläre Faserstruktur ist auch der Grund, den Ozdemir 2017 im Journal of Engineered Fibers and Fabrics für ein zentrales Messergebnis anführt: Lyocell-Gewebe erreichten in seiner Untersuchung von Modal- und Lyocell-Webstoffen höhere Werte bei Luftdurchlässigkeit, Wasserdampfdurchlässigkeit und Steighöhe beim Dochteffekt (Wicking) als die verglichenen Modalgewebe (Ozdemir, H., 2017).

Für Unterwäsche speziell liegt eine Studie von Duru und Göcek vor, veröffentlicht 2020 in der Fachzeitschrift Textile and Apparel. Sie untersuchten Feuchtigkeitskomfort-Eigenschaften von Rayon-Mikrofaser- und Lyocell-Gestricken, die gezielt für Intimwäsche entwickelt wurden, und maßen dabei Steighöhe, Transferdochtwirkung, Wasserdampfdurchlässigkeit und Trocknungsgeschwindigkeit (Duru, S. C., Göcek, İ., 2020). Die Studie fand, dass sowohl die Fasersorte als auch der Elasthan-Anteil im Gestrick einen signifikanten Einfluss auf die Wasserdampfdurchlässigkeit hatten – ein direkter Hinweis darauf, dass Faserwahl und Gestrickkonstruktion für den Tragekomfort von Unterwäsche zusammenwirken, nicht das Material allein.

In der Praxis bedeutet das: Lyocell nimmt Feuchtigkeit in die Faser selbst auf, statt sie wie Baumwolle vor allem zwischen den Fasern zu binden, und gibt sie schneller wieder an die Luft ab. Das trockene Hautgefühl, das viele Träger von Tencel-Unterwäsche beschreiben, lässt sich also nicht nur auf Marketing zurückführen, sondern auf die gemessene Sorptions- und Transportkinetik der Faser.

Warum die glatte Faseroberfläche für Boxershorts relevant ist

Lyocellfasern haben eine deutlich glattere, gleichmäßigere Oberfläche als Baumwollfasern, die von Natur aus eine gedrehte, unregelmäßige Struktur besitzen. Diese Glätte reduziert die Reibung zwischen Stoff und Haut – ein praktischer Vorteil an Körperstellen mit viel Bewegung und engem Hautkontakt, wie sie für Boxershorts typisch sind. In Kombination mit dem schnelleren Feuchtigkeitstransport ergibt sich ein Material, das über einen Tragetag hinweg weniger klamm wird als reine Baumwolle bei vergleichbarer Aktivität.

Grenzen des Materials

Lyocell ist keine perfekte Faser. Reine Cellulosefasern sind zwar grundsätzlich biologisch abbaubar, das gilt aber nicht mehr uneingeschränkt, sobald Elasthan oder andere Kunstfasern beigemischt werden – bei Boxershorts mit Stretchanteil ist das häufig der Fall. Die Ökobilanz hängt außerdem, wie oben beschrieben, stark von Herkunft des Holzes, Transportwegen und dem Energiemix der Verarbeitung ab. Und mechanisch ist Lyocell im Neigen zur Fibrillierung (feine Faserenden lösen sich bei starker Reibung von der Oberfläche) empfindlicher als robuste, dicht gesponnene Baumwolle, was sich bei häufiger, harter Wäsche als leichtes „Pilling“ zeigen kann, wenn die Faser nicht entsprechend behandelt wurde.

Tencel/Lyocell vs. Baumwolle: Kurzübersicht

Kriterium Lyocell/Tencel Konventionelle Baumwolle
Rohstoff Holzzellstoff (Eukalyptus, Birke, Buche) Baumwollpflanze
Herstellungsprozess Geschlossener Lösungsmittelkreislauf (NMMO) Anbau mit Bewässerung, oft Pestizideinsatz
Ökobilanz (Gesamtbewertung) Niedrige Gesamtumweltbelastung in Shen et al. 2010 Höchste Gesamtumweltbelastung unter den verglichenen Fasern in derselben Studie in Shen et al. 2010
Feuchtigkeitsaufnahme Faser nimmt Wasser auf und gibt es schneller ab (Okubayashi, S., Griesser, U. J., Bechtold, T., 2004; Ozdemir, H., 2017) Bindet Feuchtigkeit stärker zwischen den Fasern
Faseroberfläche Glatt, geringe Reibung Unregelmäßig, natürliche Drehung
Biologische Abbaubarkeit Ja, bei reiner Faser ohne Kunstfaserbeimischung Ja, bei reiner Faser ohne Kunstfaserbeimischung


Häufige Fragen zu Tencel/Lyocell Boxershorts

Ist Tencel dasselbe wie Lyocell? Ja. Lyocell ist die generische Bezeichnung für das Fasertyp, Tencel ist der Markenname, unter dem die Lenzing AG ihre Lyocellfaser verkauft. Nicht jedes Lyocell trägt die Marke Tencel, aber jedes Tencel ist Lyocell.

Ist Tencel wirklich nachhaltiger als Baumwolle? Nach der vorliegenden Ökobilanzforschung schneidet Lyocell in der Gesamtbewertung besser ab als konventionelle Baumwolle, vor allem bei Ökotoxizität, Wasserverbrauch und Flächenbedarf (Shen, L., Worrell, E., Patel, M. K., 2010). Wie groß der Unterschied im Einzelfall ausfällt, hängt von Holzherkunft, Energiequelle bei der Verarbeitung und Transportwegen ab.

Warum fühlt sich Lyocell trockener an als Baumwolle? Weil die Faser Feuchtigkeit direkt in ihre Struktur aufnimmt und schneller wieder abgibt, statt sie überwiegend zwischen den Fasern zu speichern. Diese Sorptions- und Transporteigenschaften sind textiltechnisch gemessen und in mehreren Studien zu Lyocell-Geweben und -Gestricken dokumentiert (Okubayashi, S., Griesser, U. J., Bechtold, T., 2004; Ozdemir, H., 2017; Duru, S. C., Göcek, İ., 2020).

Eignet sich Lyocell für empfindliche Haut? Die glatte, gleichmäßige Faseroberfläche reduziert die mechanische Reibung auf der Haut im Vergleich zu Baumwolle. Für Boxershorts, die eng am Körper anliegen, ist das ein relevanter Unterschied gegenüber gröberen Baumwollgeweben.

Quellen

  1. Guo, X. et al. (2021). Comparison of life cycle assessment between lyocell fiber and viscose fiber in China. The International Journal of Life Cycle Assessment. https://link.springer.com/article/10.1007/s11367-021-01916-y
  2. Shen, L., Worrell, E., Patel, M. K. (2010). Environmental impact assessment of man-made cellulose fibres. Resources, Conservation and Recycling, 55(2), 260–274. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S092134491000217X
  3. A Comparative Life Cycle Assessment of T-Shirt Production Using Viscose, Lyocell, Cotton, and Polyester (2026). Sustainability, 18(8), 4070. https://www.mdpi.com/2071-1050/18/8/4070
  4. Okubayashi, S., Griesser, U. J., Bechtold, T. (2004). A kinetic study of moisture sorption and desorption on lyocell fibers. Carbohydrate Polymers, 58(3), 293–299.
  5. Ozdemir, H. (2017). Permeability and wicking properties of modal and lyocell woven fabrics used for clothing. Journal of Engineered Fibers and Fabrics, 12(1), 12–21.
  6. Duru, S. C., Göcek, İ. (2020). Assessing water-related comfort performance of knitted fabrics made of rayon microfibers and lyocell fibers for intimate wear. Textile and Apparel, 30(3), 220–230. https://dergipark.org.tr/en/pub/tekstilvekonfeksiyon/article/752956
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